Trauma | Traumatherapie | das Drumherum

Angst vor Traumabehandlung? | Ich habe keine | Sie?

5 Aspekte vorweg

  • Der Begriff Trauma wird nahezu inflationär benutzt für Alles und Jedes. Dadurch wird sehr viel vermischt. Auf der einen Seite ist es manchmal Übertreibung, auf der anderen Seite wird das Problem dann möglicherweise auch unterschätzt
     
  • Die Art des Ereignisses entscheidet nicht darüber, ob ein Mensch durch dieses traumatisiert wird. Bei entsprechender Veranlagung, können auch schon vermeintlich „kleine“ oder „harmlose“ Geschehnisse traumatisierend wirken. Wie z.B. das kleine Kind über Stunden einfach schreien zu lassen , weil es der gerade herrschenden Erziehungstheorie entspricht. Es müssen also nicht immer Folter, Vergewaltigung oder Krieg sein
     
  • Manche Therapeuten haben vor dem Thema Trauma, PTBS  und Traumatherapie Angst und Menschen im Umfeld oft auch. Sie haben Angst, dass „etwas Furchtbares“ aufbrechen könnte und der Mensch („irreparabel“) beschädigt oder erneut traumatisiert wird (retraumatisiert)
  • Natürlich ist es wichtig, sich angemessen und vorsichtig anzunähern. Und gleichzeitig ist genauso wichtig, nicht ständig wie mit einem rohen Ei zu hantieren. (Zum Thema Sicherheit siehe unten auf dieser Seite)
     
  • Ein traumatischer Hintergrund für Probleme wird oft nicht erkannt, klassische Therapie hilft dann nicht. Hier wird dies vorher überprüft (Kinesiologie, Hypnose)

Meiner Ansicht nach gelten für die Therapie von Traumata (genauer gesagt: Psychotraumata) in der Tiefe dieselben Regeln wie für die Behandlung aller anderen seelisch-emotionalen oder psychosomatischen Störungen auch. Bei starker Traumatisierung ist jedoch ein wesentlich vorsichtigeres Vorgehen nötig. Und es müssen die nötigen Ressourcen eingerichtet werden. (s.u.)

 

Was ist ein Trauma?

Das Wichtigste: moderne Neurowissenschaft weiß eindeutig, dass Trauma nicht im Ereignis liegt, sondern im Nervensystem. Und zwar insbesondere im sogenannten Autonomen Nervensystem (ANS), welches nicht ohne weiteres willentlich beeinflussbar ist. Und es ist bei einer Traumatherapie allein schon aus diesem Grund NICHT sinnvoll, sich zu viel dem Ereignis zuzuwenden.

Zu unterscheiden ist das Einzeltrauma von dem länger anhaltenden Entwicklungstrauma

Ein Trauma ist ein Folgezustand. Ein Einzel-Ereignis an sich ist noch kein Trauma. Ein Ereignis kann traumatische Auswirkungen haben und es entsteht dann dadurch ein Trauma.

Der Mensch verarbeitet ein Einzel-Ereignis traumatisch, wenn in einer existentiell (lebens-)bedrohlichen Situation seine geistigen, emotionalen und körperlichen Verarbeitungsmöglichkeiten überfordert werden, er insbesondere nicht fliehen oder nicht kämpfen kann, also ohnmächtig-ergeben ausharrt oder erstarrt.

Indirekte Traumatisierung kann entstehen bei z.B. Beobachtern von traumatisierenden Situationen wie z.B. einem schweren Unfall oder einem (Selbst-)Mord.

 
In der traumatischen Verabeitung kommt es zur Zersplitterung von Erlebnismustern in Einzelteile

 

In der traumatischen Verabeitung kommt es zur Zersplitterung von Erlebnismustern in Einzelteile

Unterschied Trauma und "normale" neurotische Störung

Was der Unterschied im Detail ist, darüber könnte man sicherlich lange Fachsimpeln. Etwas vereinfachter ausgedrückt meine ich dazu: Bei der Entstehung eines Psychotraumas gibt es schärfere und tiefere Schnitte und Spaltungen in der seelisch-geistigen und auch körperlichen Struktur. Es geht auf eine Art tatsächlich etwas Ganzes kaputt. Die zerspringende Scheibe oben ist ein gutes Bild. Es ist aber zum Glück möglich, auch hier heilenden Einfluss zu nehmen. Die Abtrennung von Teilen des Gesamterlebens ist radikaler. Man könnte auch sagen: gnadenloser.

Die neurotische Symptombildung ist „weicher“, Hintergründe sind eher unbewusste Konflikte, Loyalitätsprobleme oder systemische Kräfte, die unbewusst wirken. Hier greifen eher die klassischen Abwehr- und Verdrängungsmechanismen.

Einzeltrauma

Es gibt eine Vielzahl von traumatisch möglich wirkenden Erlebnissen. Hier seien alle mit körperlicher Gewalt und (Lebens-)Bedrohung einher gehenden Situationen genannt. Dazu kommt bei z.B. sexuellem Missbrauch noch die Verletzung der intimen körperlichen und seelischen Integrität.

Der Mensch kann weder fliehen noch sich wehren. Um all die Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Scham und Schmerzen überstehen zu können, finden Spaltungen statt. Das Gesamterleben zerspringt in mehrere Anteile des Erlebens. Einige davon werden dissoziiert (abgespalten) und sind dann nicht mehr spürbar. Andere Teile bleiben weiterhin wahrnehmbar – seien es Gefühle, Gedanken, Bilder, akustische Eindrücke, Flashbacks oder auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Herzklopfen oder Bluthochdruck.

 
In der Ohnmacht kommt es möglicherweise zum Totstell-Reflex und / oder zu Dissoziationen (Abspaltungen)
In der Ohnmacht kommt es möglicherweise zum Totstell-Reflex und / oder zu Dissoziationen (Abspaltungen)
 
 

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Die posttraumatische Belastungsstörung PTBS (PTSD) ist sozusagen all das an Symptomen, was permanent oder in Anflügen / Anfällen (z.B. in Form von Flashbacks) vom traumatisierten Menschen erlebt wird. Es sind all die Erlebnis-Teile, die nicht ganz weggesperrt worden sind. Sie rufen sozusagen ständig oder immer wieder „Hallo, da ist noch etwas Unerledigtes“. Im Gegensatz zu den „normal-neurotischen“ sonst üblichen Symptomen der meisten „Normal-Kranken“, sind hier die Symptome insgesamt verschärfter und beeinträchtigen das Leben stärker. Der Leidensdruck ist höher.

 

Es gibt nahezu kein Symptom, das nicht Ausdruck für ein Psycho-Trauma sein könnte!  Alle Symptome können sowohl beim Einzel- als auch beim Entwicklungstrauma auftreten

 

Entwicklungstrauma