Start: nicht von mir...

Die Entscheidungen waren nur der Anfang von etwas. Wenn man einen Entschluss gefasst hatte, dann tauchte man damit in eine gewaltige Strömung, die einen mit sich riss, zu einem Ort, den man sich bei dem Entschluss niemals hätte träumen lassen.

(Der Alchimist) – Paulo Coelho

August 2020
sogar ein ganzes Buch:
Der Realo-Corona-Krimi

 

Als der Tod sie holte

29.3.2020  (Passend zu den Corona-Plandemie-Zeiten – nicht von M.F. – Dank an einen Kommentator auf Youtube – Stefan H.)

Es gibt da eine wunderbare Geschichte:

Ein Student ist auf dem Weg in eine große Stadt. Vor dem Stadttor trifft er auf den Tod, der im Schatten der Stadtmauer sitzt. Der Student setzt sich daneben, grüßt und fragt:

„Guten Tag Gevatter, was hast Du vor?“

Der Tod antwortet: „Ich gehe gleich in die Stadt und hole mir 100 Leute!“

Der Student erschrickt, rennt in die Stadt und schreit: „Der Tod ist auf dem Weg in die Stadt, er will sich 100 Leute holen!“ Die Leute rennen in ihre Häuser, verbarrikadieren sich, aber vor dem Tod gibt es kein Entrinnen….. Nach vier Wochen verlässt der Student die Stadt und sieht beim Verlassen dieser abermals im Schatten der Stadtmauer den Tod sitzen.

Er rennt auf ihn zu und brüllt ihn an: „Du Lügner! 100 Leute wolltest Du holen, jetzt aber, nach vier Wochen, sind es weit über 500 Tote!“

Der Tod erhebt sich gemächlich, sieht den Studenten an und sagt ganz ruhig:

„ICH habe mir planmäßig die 100 geholt, die ich mir immer hole: Alte, Kranke, Schwache…. Die anderen hat die ANGST getötet, und die hast DU in die Stadt getragen!“

Als die Welt untergeht - M.F.

Vom 11.3.2020

Ein Auszug aus meinem Buch „Corona Countdown“, erschienen Juli 2020 – HIER mehr

Spätes 2020

Alles mit Corona wurde mittlerweile sofort zensiert und gelöscht. Deshalb sprach Maro jetzt immer liebvoll von Corinna.

Das rechte Regal bei Penny war leer, unten ganz hinten lag noch ein aufgerissenes Paket Nudeln herum.

Das linke war fast leer. Im nächsten Regal gab es zum Glück noch reichlich Pakete mit Alltagsmasken. Er schnappte sich zwei Hunderter-Pakete. Die saßen ganz gut, auch jetzt bekam er leidlich Luft durch dieses Modell.

Es gab keine Wagen mehr, seine alte Plastiktüte musste für heute noch einmal reichen. Auch diese Art Tüten waren schon lange abgeschafft.

Erschöpft schlurfte er durch die Gänge und pickte sich etwas von den Resten zusammen.

Viele Menschen waren krank, viele gestorben, überall auf der Welt. Das hatten Sie monatelang im Fernsehen und der Qualitätspresse zu sehen bekommen. Erstickende Menschen auf Intensivstationen, immer dieselben Bilder.

Mittlerweile waren die Liefer-Engpässe bei Mundschutzmasken, Küchenrollen, Klopapier, Kanistern mit Desinfektionsmitteln und Plastikhandschuhen ja überwunden. Trotzdem stand er manchmal vor leeren Regalen.

»Wie schlimm war das noch im Februar«, seufzte er. »Da waren wir echt unterversorgt!« Schön, dass Regierung und Wirtschaft es nun nach Monaten geschafft hatten, diese Produkte für alle ausreichend zur Verfügung zu stellen.

Erleichtert atmete er tief durch, soweit dies mit seiner Alltagsmaske möglich war. Wie gut, dass sie für uns sorgten!

Dass es mittlerweile auch hier in Hamburg Bananenrepublik geworden war, musste halt akzeptiert werden – wie sollten sie sonst den Kampf gegen das böse Corinna gewinnen? Ohne Opfer ging das halt nicht!

An der Kasse war es prima, denn das Bargeld war im Sommer 2020 abgeschafft worden. Sie hatten einfach ein Notstandsgesetz zur Verhinderung einer vernichtenden dritten Pandemie-Welle mit diesem Neu-Neu-artigen-CO2-Virus (oder so ähnlich hieß es doch gleich) durchgewunken. Dies war im Juli geschehen. Die Vorbereitung auf diesen Schritt hatten sie schon Jahre zuvor begonnen. Die Generalprobe für alles war das Event 201 im Oktober 2019 in New York. Und dann hatten die Regisseure der Inszenierung sich von Woche zu Woche gegenseitig überboten.

Aber zurück zur Kasse:

Keine ältere Dame (oder älterer Herr oder älteres Etwas) kramte mehr entzückt mit »ich hab’s passend!« 10 Minuten nach Kleingeld. Stattdessen wurde alles kontaktlos von der Karte eingezogen. Man brauchte diese nicht einmal mehr zu zücken. So konnten die üblichen zwei Einkaufswagen pro Kopf rasch abgewickelt werden. »Einfach Klasse«, freute Maro sich.

Auf den Straßen war es schon länger wie leergefegt. Denn ohne die per Handy über die Corinna-App beim Einwohnermeldeamt beantragte und dann genehmigte Ausgangserlaubnis (zum dringenden wöchentlichen Hamsterkauf, zum Notfall-Arztbesuch oder Arbeitsplatz, wenn Heimarbeit nicht möglich war) durfte keiner mehr das Haus verlassen. Es war wirklich ein Segen! Maro fühlte sich nach dem monatelangen diffusen Rumgeeier der Regierung endlich richtig sicher. Weder Spahn noch Merkel hatten zuvor klare Ansagen gemacht. Das war jetzt geregelt.

Zum Glück gab es die WHO – die Weltgesundheitsorganisation. Die oberste Wächterin für das Wohlergehen der Menschen. Erst nicht besonders selbstbewusst, dann aber zunehmend nachlegend, wurde der Ernst der Lage kommuniziert. Das pandemische und katastrophale Ausmaß mit unzähligen Toten im Laufe der letzten Monate ließen Tedros Adhanom Ghebreyesus als Chef der WHO dann schließlich doch energisch den internationalen Notstand ausrufen. Maro verzieh der WHO, dass sie seit SARS 2003/ 2004, über Schweinegrippe 2009, Vogel-, Affen- und Clownsgrippe nur heiße Luft und künstliche Panik verbreitet hatte. Und sich alles im Nachhinein als null und nichtig relevant erwiesen hatte.

Jetzt aber war es wirklich schlimm, richtig schlimm! Es war zum Verzweifeln!

»Es war doch besser, vorsichtig zu sein«, murmelte Maro vor sich hin, während er mit seinen Einkäufen in der Plastiktüte die Straße entlang schlurfte. »Wenn das Kind erstmal in den Brunnen gefallen war, konnte man es nur schwer wieder herausholen.«

Die Ausgeherlaubnis verlangte, den kürzesten, schnellsten und umwegfreisten Rückweg einzuschlagen. Hunde sah man keine mehr. Für Gassigehen gab es keine Sondergenehmigungen. Die Vierbeiner vegetierten entweder bei Herrchen oder Frauchen zu Hause vor sich hin oder waren längst eingeschläfert worden. Vielleicht waren sie auch an einer Mensch-zu-Hund-Mutation von »Corinna« erkrankt und daran gestorben.

»Corinna« – seine Taufe gefiel ihm wirklich! Es war richtig, den Namen auszusprechen. Und immer besser, den Feind anzunehmen und anzuerkennen als gegen ihn zu kämpfen. Seine spirituellen Ausflüge, die er bisher so unternommen hatte, lehrten ihn unstreitig, dass man alles annehmen sollte. Das war gesünder und achtsam. Achtsamkeit war sowieso DAS Ding in dieser Zeit. Mindestens so wichtig wie VEGAN oder BIO.

Bald erreichte er das Mehrfamilienhaus, einen Altbau. Ziel: 3. Etage. »Nützt nix«, stöhnte er und kramte den Schlüssel aus der Tasche. Mütze und Schal behielt er an, denn auch im Treppenhaus war es kalt. Da niemand ihm entgegen kam, nahm er seine Maske verbotener Weise ab. Seit Herbstbeginn war es kalt im Haus. Der Senat der Hansestadt Hamburg (allen voran die Grünen) hatte verordnet, dass diesen Winter wegen der globalen Wirtschaftskrise durch Corinna nur noch bis zu 12 Grad Celsius Raumtemperatur erlaubt waren. Die Bereitstellung von Fernwärme, Öl oder Gas für die Heizungsanlagen wurden entsprechend gedrosselt. Die Lücke der Kerzen und Fondue-Brenner hatten sie allerdings vergessen und bis jetzt nicht geschlossen. Demzufolge waren diese durch Hamsterkäufe meistens ausverkauft.

Verkniffen musste er dabei wieder an diese ätzenden Winterspaziergänge mit seiner Mutter und ihrem Partner denken, auf die er als Kind gezerrt wurde. Regelmäßig froren ihm nach einer halben Stunde alle Füße ein.

Oben angekommen, riss endlich der eine Henkel der Plastiktüte ab. Er hatte den Backofen vorhin auf 100 Grad eingeschaltet und offen gelassen. So waren es jetzt immerhin ungefähr 15 Grad. 3 Grad über dem Erlaubten. Ein kleines schlechtes Gewissen regte sich dennoch. »Naja, wollen wir das mal nicht so eng sehen«, versuchte er, sich zu beruhigen.

Nachdem die wenigen Sachen verstaut waren, schaute er aus dem Fenster. Die Tankstelle dort hinten war seit 3 Monaten nicht mehr in Betrieb, auch heute hatten wieder ein paar Leute auf dem Platz ein Lagerfeuer gemacht, um sich die Zeit zu vertreiben oder zu wärmen. Es gab kaum noch Autos. Die Gesetzte zur leichteren Umsetzung von Kurzeitarbeit, Kündigungen und Subventionen der Sozialabgaben für Arbeitgeber hatten in Hamburg mittlerweile zu einer Arbeitslosenquote von 40% geführt. Irgendwas mussten die Leute doch tun. Ab und zu kamen Polizisten vorbei und schickten sie nach Hause. Mal mit, mal ohne Bußgeld.

Die Grünen hatten sich aber dafür eingesetzt, dass die Fahrradpreise auf 1500 Euro begrenzt wurden, diese lagen wegen der Nachfrage zuletzt bei 2000 Euro. Darunter war nicht mal mehr ein 08-15-Rad zu bekommen, das in 2019 noch 300 Euro gekostet hatte. Die Scooter (E-Roller) waren zum Glück auch auf 3000 Euro gedeckelt und E-Autos auf 70.000 Euro für die Basisversion. Ein Glück. Wo wären wir sonst gelandet? Das hätte doch keiner der Arbeitslosen jemals bezahlen können.

Wegen der Ausgangssperren, Arbeitslosigkeit und allgemein zunehmenden Depression wurde der ÖPNV (öffentlicher Personen-Nahverkehr) stark reduziert. Außerdem war der Fernverkehr mit Bahn, Fernbus oder Flugzeug zur unerreichbaren und deshalb auch unwichtigen Option degeneriert. Der lange sich nach Südwest erstreckende Startbahnbereich 23 in Fuhlsbüttel-Airport war vor Monaten deaktiviert und gesperrt worden. Es wuchs Gras in den Ritzen und man sah auf der noch aktiven Bahn höchstens 5 Flieger pro Tag.

Die Taxis waren abgeschafft worden und es gab den Nachfolger des Elektro-Sammeltaxis MOIA: VW-Caddy-Diesel. Aus ökonomischen Gründen hatte man den Anti-Diesel-Hype begraben und – erstaunlich realistisch – begriffen, dass die Diesel-Technologie sehr fortschrittlich war.

Maro verkroch sich unter drei Wolldecken auf dem Sofa und schaltete im Fernseher Kanal-1 ein. Es flimmerten Berichte über die gefährliche aber nun allmählich gut eingegrenzte Pandemie über den Schirm. Die weltweiten Lockdowns aller Städte über 7.000 Einwohner hatten ihre Früchte getragen. Die überhitzte Weltwirtschaft war nun endlich auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Die Börsen hatten Einbrüche um 80% verzeichnet und dümpelten nun auf diesem Nivea, äh Niveau, vor sich hin. Auch kam man mit den allgemeinen Zwangsimpfungen gut voran.

Weltweit saßen selbst die Fridays-4-Future-Aktivisten, Gretas, Extiction-Rebellionisten oder auch BLMs mittlerweile satt und zufrieden auf ihren Sofas und meldeten sich ab und zu von dort medial zu Wort. »Wie gut, dass wir durch Corinna nun zu vernünftigen Lösungen und umweltbewusstem Verhalten gekommen sind. Die weißen Männer dürfen jetzt in Ruhe über ihre Hautfarbe nachdenken.«

Die Multi-Fernbedienung war überflüssig geworden, denn außer Kanal-1 gab es keinen weiteren mehr. Im Sinne der Einsparung von Steuergeldern und »Fokussierung« der Nachrichten-Portale hatte man das so gemacht.

»Ist wirklich praktisch!«, sagte Maro und seufzte. Auch gab es im Internet nur noch Fa-Go-Tubo-Pedia: einen primitiven Selbstinszenierungskanal mit der Möglichkeit, Posts zu hinterlassen, Likes zu geben oder es auch zu lassen. An jeder Stelle des Internets gab es informative Einspielungen von Truth-Pedia – ehemals Wikipedia. Diese Inhalte schrieben nur noch »Fachleute«, Agenturen wie Correctiv, Trolls und sonstige von der Regierung bezahlte Wahrheitshüter. »Wie gut«, dachte er.

Für seichte Verblödungsunterhaltung mit gut platzierter Propaganda war demnach gesorgt.

»Ich weiß auch gar nicht, was die Leute immer gegen Propaganda haben! Ist doch nicht so schlimm!«, brummte Maro vor sich hin. Gut, wenn der Staat aufpasste. So waren wir doch vor all dem Müll und den ewigen Falschinformationen geschützt. Überall Fake-News! Was die Leute sich doch alles für Schrott ausdachten, all diese Verschwörungstheorien und so weiter. Diese Idioten und Aluhüte, die meinten, 9-11, die Mondlandung, Corinna und vieles mehr seien reine Fakes. Dass sie von Eliten, Konzernen, NGOs, hohen Polit-Gruppen, Rothschilds, Rockefellers, Reichen, Bilderbergern, Club of Romians oder Freimaurern inszeniert worden waren. Alles Quatsch!

Maro vermisste Ella. Es war aber ohne Auto fast nicht möglich, nach Berlin oder Hamburg zu kommen. So blieb ihnen seit längerem nur das Telefonieren.

Maro fiel plötzlich trotz der Kälte siedend heiß ein, dass er etwas Wichtiges vergessen hatte. Seine Ausgangserlaubnis war noch eine Stunde gültig. Er brauchte unbedingt eine neue Packung seines antiviralen Medikaments gegen Corinna-V3. Man hatte angeordnet, dass diese Pillen ab Sommer 2020 für mindestens 6 Monate 2x täglich genommen werden sollten. Mit einer vermutlich folgenden Verlängerung um weitere 6 Monate. Und dies trotz Zwangsimpfung, die er vor 2 Wochen recht dankbar empfangen hatte. Und da Arztbesuche heutzutage nahezu unmöglich waren, bekam man das Zeug rezeptfrei in den Apotheken. Auch das war sehr praktisch.

Maro ging also – immer noch in Mütze, Schal und wieder Alltagsmaske verpackt – zurück auf die Straße. Dieses Zeug machte schlapp und schläfrig, aber was sollte er machen. Weltgesundheit ging vor. Herdenschutz, Solidarität und so weiter. Und er selbst wollte ja auch noch etwas länger leben. Zwar war das Leben in den meisten Ländern mittlerweile nicht mehr lebenswert, aber es deshalb gleich beenden? Nein!

Die Apotheke lag auf der anderen Seite der vierspurigen Straße. Zu faul, erst zur Ampel zu gehen, lief Maro meist am Ende seiner Wohnstraße einfach in einer Verkehrslücke über diese große Straße. Links hörte er die Autos, sie waren noch weiter weg, also lief er los. Zu seiner Rechten stand ein Busch auf dem schmalen Grünstreifen, er schaute noch einmal links und genau jetzt winkte ihm auf der anderen Seite jemand zu, den er kannte. Es war kein Fahrzeug zu hören. Er winkte zurück und lief rasch auf diesen Menschen zu.

 …..

Alles Weitere im Buch!

 

Mit oder ohne Corinna – wir sterben sowieso!

Glaubt nicht alles, was man euch vorflimmert und in

diesem Chaos verkaufen will!

 

Orwells 1984 hat gerade erst begonnen!

Mustafas Erwachen (Eine Geschichte zu einem wunderschönen Marokko-Reisekalender eines Freundes - 2.1.19)

Er schaute aufs Meer, während sie unterging.

Wüsste man nicht, wo das Kalenderblatt entstanden war, so würde man eher einen Sonnenaufgang vermuten. Für Marokko müsste man dann aber die Erde auf den Kopf stellen. So schnell geht das nicht, das dauert, wie wir ja wissen.

Über dem Horizont ein lichter, blendender Streifen, gleißend wie ein Atompilz, breit, darüber eine schwere, von unten beleuchtete Wolkendecke mit ihren gelbgrauen Kissen. Immer wieder erstaunlich, dass diese dort oben hängen bleiben.

Mustafa sinnierte gedankenverloren, starrte in das Licht und vergaß alles um sich herum. Die Zeit blieb stehen, soweit es sie überhaupt gab. Er nahm nur noch Licht wahr und fühlte eine Leichtigkeit und Helle in sich. Er saß dort am steinigen Strand auf einem größeren Stein. Die raue und sogleich so liebliche Natur umhüllte ihn, er war eins mit ihr. Eine tiefe Ruhe und Geborgenheit machten sich immer mehr in ihm breit, er war zutiefst dankbar.

Er wusste nicht, wie lange er hier gewesen war. Abrupt tauchte er wieder auf, draußen war es inzwischen dunkel. Aufgelockerte Bewölkung ließ ein paar Sterne durch, Mondlicht war nicht da. Die Brandung schlug ans Ufer und in dem Schwarz gab es keine Reflexionen.

Plötzlich kroch ihm wieder ins Bewusstsein, weshalb er hier an die Küste gekommen war, ihn fröstelte etwas. Es war ernüchternd. Dieser himmlische Zustand von vorhin – er konnte sich nur noch schemenhaft daran erinnern – war phantastisch gewesen und er würde sich nichts mehr wünschen, als diese Art der Ekstase jederzeit wieder erleben zu können. Dennoch war dieser Kontrast zu seinem realen Leben äußerst groß. Wie könnte es ihm gelingen, immer wieder dorthin gehen zu können?

Er war nicht wirklich müde, wusste aber, dass morgen ein anstrengender Tag werden würde. Der Bus hatte ihn heute von Marrakesch nach Essoquira gebracht, 3 Km südlich davon hatte er seinen Onkel aufgesucht, der dort in einer schwer zu erreichenden und tourismusfreien Bucht ein Haus hatte. Er hatte dort in einer kleinen Kammer sein Lager aufschlagen können.

Also stapfte er über die Steine zurück, kaum seine Füße erkennend. Die Busfahrt ist teuer und er war 3 Jahre nicht mehr hier gewesen. Noch wusste er nicht, wie er seine Rückfahrt bezahlen könnte. Sein Onkel hatte ein kleines Fischerboot und fuhr also nachts raus. Die Fischfähre, wie er das Transportboot für die Fische nannte, kam gegen 8 Uhr morgens, um die Fänge einzusammeln, besser einzukassieren. Denn viel Geld gab es nicht. Pro Kilo Fisch gab es 30 Dirham. Ein Laib Brot kostet 10 Dirham und Zahnpasta 20. Wie viele hier, so kam auch sein Onkel gerade so über die Runden. Wenn der Fischdampfer Richtung Essoquira mit 45 Knoten schließlich davon röhrte, war es Zeit zum Schlafengehen. Das Überleben war für 3 Tage wieder gesichert.

Mustafa näherte sich dem schlichten Haus am Rande der kleinen Bucht. Sein Onkel war mit seinem kleinen Fischerboot bereits rausgefahren. Der alte Wecker in der kleinen Küche zeigte 4 Uhr morgens. So lange war Mustafa also versunken. Er nahm sich noch ein Stück Brot, trank etwa Wasser und legte sich schlafen. Unruhig schwirrten nun wieder Gedanken umher an seine Familie, die Armut, die Sorgen um die Zukunft und die Gesundheit. Und an Samira.

Samira war sein geliebtes Kamel und seine Existenz. Samira war seit einiger Zeit krank und keiner hatte ihr bisher helfen können. In Merzouga, in den ersten Ausläufern der Sahara gelegen, lag sie seit Wochen unter dem Palmendach des Stalls. Alle Beduinen, Freunde und sonstigen Fachleute wussten nicht mehr weiter. Sie aß kaum, mit Mühe trank sie etwas.

Mustafa hatte den weiten Weg von Merzouga im Osten Marokkos über Ainif, Tinghir, El Kelaa, Quarzazate und Marrakesch hierher zu seinem Onkel gemacht. Gestern Mittag war er angekommen nach 3 Tagen Reise über 800 km. Weitgehend per Anhalter. Das letzte Stück hatte er sich den Bus gegönnt mit seinem restlichen Geld.

Sein Onkel war seine Hoffnung. Sein Onkel Nael war ein einfacher aber besonderer Mensch. Schon früh ist er seiner eigenen Wege gegangen. Er lebte sehr natürlich und trotz der modernen Abhängigkeit von der Fischereimafia ließ er sich nicht von seinen Prinzipien abbringen. Und er verfügte über eine ganz besondere Gabe. Er war sozusagen ein Kamelflüsterer. Hier an der Küste gab es viel weniger Kamele als in Richtung Landesinnere, erst Recht Richtung Wüste. Nael wollte das mit den Kamelen nie so hoch hängen, sonst hätte er ja woanders hinziehen und mit seinen Heilkräften reich werden können. Also beschränkte er sich darauf, gelegentlich mal notleidenden Beduinen mit ihrem kranken Vieh zu helfen.

Mustafa wusste, dass es nur in Ausnahmen nötig sei, das Tier persönlich zu sehen. Besser als Skype sei es, eine frische Probe Haar des kranken Tieres zu bringen. Und die Anwesenheit eines dem Tier sehr nahen Menschen helfe außerdem dabei. Das war der Grund – neben Respekt, Dankbarkeit und Überreichung eines Geschenks an den Onkel Nael –, weshalb Mustafa sich auf die weite Reise gemacht hatte.

Der Umschlag mit den Haaren Samiras lag auf der Holzkommode und allmählich und mit froher Zuversicht auf den morgigen Tag, schlief Mustafa endlich ein.

Mustafa träumte. Er sah sich, wie er mit der inzwischen wieder genesenen Samira an den Zügeln durch die Wüste zog, den Kopf eingehüllt in Tuch und somit vor Hitze und kräftigem sandigen Wind geschützt. Sein blaues Hemd und sein oranges Tuch um den Kopf fügten sich malerisch in die rotbraune Wüstenfarbe ein. Auf den Fotos der Touristen wurde oft eben diese Verschmelzung von Mensch, Tier und Natur bewundert, durch das Einhüllen erkannte man oft nicht, wohin es geht, wohin der Führer des Tieres eigentlich schaut. Gerade die zu Hause gebliebenen staunten über die magische Kraft des undefinierten Moments dieser Bilder. Es wirkte auf manchen Fotos wie eine Tüte über dem Kopf, ein zielloses Ziehen durch die Welt.

Mustafa erwachte durch Geräusche aus der Küche. Sein Onkel Nael ist heute etwas eher von See zurückgekommen und hatte seinen Kollegen Albi beauftragt, seinen Fang später der Mafia auf Ihrenm Schutzgelddampfer zu übergeben. So hatte er heute früher schlafen können und Zeit für Mustafas Anliegen.

„Guten Morgen Mustafa“ begrüßte Nael ihn freundlich, ihm einem Kaffee im Metallbecher reichend.

 „Ich habe Pfannkuchen bereitet und einige Datteln zum Frühstück“.

 Mustafa rieb sich die Augen, nahm dankend den Kaffee und setzte sich auf.

 „Nael, ich freue mich so, dass ich hier sein darf und hoffentlich mit deiner Hilfe alles wieder gut wird. Ich liebe Samira und ich brauche sie, um wieder mit ihr arbeiten zu können und unsere Familie zu ernähren. Mutter und Schwester machen sich solche Sorgen.“

„Bisher hat es meistens geklappt, Mustafa. Ich freue mich, dich mal wieder zu sehen. Ich war lange nicht mehr bei euch in Merzouga und weiß schon gar nicht mehr, wie meine Schwester Baryia aussieht“ scherzte er. Natürlich skypten sie ab und zu, auch wenn die Leistungsfähigkeit seines nun 5 Jahre alten Mobiltelefons und des marokkanischen WLANs – besonders in dieser Kombination – zu wünschen übrigließen.

Armut macht erfinderisch und so hatte Mustafas Vater sich auf den Kokainhandel nach Europa eingelassen. Touristen auf Kamelen durch die Wüste zu führen wurde immer schwieriger, die Konkurrenz wuchs und die Angst vor Terror, Taliban, Entführungen und Co. führten zu Rückgängen der Wüstenschaulustigen. Hauptsächlich allerdings die Zahl der organisierten Urlaubsverbrecher – äh Touristen. Backpacker oder Camper-Touristen blieben auf demselben Niveau. Sie sind offenbar nicht so leicht abzuschrecken.

Das mit dem Koks ging nicht lange gut. Trotz Verbindungen in die Riege der Polizei und selbstverständlich Schmiergeldern konnte es nicht verhindert werden, dass Ali – Mustafas Vater – in den Knast gewandert ist. Dort sitzt er jetzt seit 1 Jahr. Mutter hält die treue, besucht ihn mindestens 1x pro Woche. 1 Jahr hat er noch nach. Leicht ist es nicht.

Seine Mutter ist etwas verbittert, denn dieses Drogen-Jahr über hatten Sie reichlich Geld. Sie mussten sogar aufpassen, dass das Umfeld nicht misstrauisch wurde. Sie gönnten sich häufiger mal Ausflüge. Auch in die Source Bleu, die Badeoase von Meski – 40 km entfernt. Das war dann schon ein ganzer Tag, über die Landstraße dahin. Die erfrischende Belohnung war es wert. Man genoss den Tag dort, auch mit dem guten Essen im Anschluss.
Auch Mustafa musste seine Kamelrunden seltener machen, hatte mehr Zeit für Muße und Nichtstun oder Abhängen mit Freunden. Samira fühlte sich auch wohl, weil sie nicht so arg „ran“ musste.